Alle wichtigen ETF Kennzahlen im Überblick

Anleger nutzen verschiedene Kennzahlen, um ETFs miteinander zu vergleichen. Nicht alle wichtigen Kennzahlen sind bekannt. Auch manches Missverständnis (z. B. zur vielzitierten Gesamtkostenquote TER) ist weit verbreitet. Dieser Beitrag erläutert überblicksartig die wichtigsten ETF Kennzahlen.

Der Blick ins Factsheet: Die ETF Übersicht

Wer in einen ETF investieren möchte, sollte zunächst einen Blick auf wichtige Kennzahlen werfen. Dazu bieten sich die Factsheets an, die für praktisch jeden Fonds zur Verfügung stehen. Ein Factsheet ist eine Art ETF Übersicht – anders als der Verkaufsprospekt nicht standardisiert, dafür aber deutlich übersichtlicher und kompakter. Die Abbildung unten zeigt den Weg zum Factsheet auf der Homepage einer ETF Gesellschaft.

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Quelle: Lyxoretf.de

Wie ist ein solches Factsheet aufgebaut? Zunächst werden Informationen zum Fonds und zum Basiswert zur Verfügung gestellt. Zunächst gibt es Informationen zum Fonds – und hier konkret zu Anlagezielen und Risikoprofil. Diese Informationen sind bei Index ETFs in der Praxis wenig aussagekräftig. Ein DAX ETF etwa verfolgt das Ziel, die Wertentwicklung des DAX so nahe wie möglich nachzubilden. Dabei tragen Anleger Risiken: Neben Marktpreisänderungsrisiken sind dies etwa Replikationsrisiken,  Liquiditätsrisiken oder Währungsrisiken.

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Die ETF Übersicht informiert auch über den Basiswert – bei einem ETF auf den DAX also den deutschen Leitindex. In der Abbildung unten ist zu sehen, welche Informationen über den Basiswert zur Verfügung gestellt werden. Es geht um Performance, regionale Zuordnung und Branchenallokation.

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Quelle: Lyxoretf.de

Die nächste Information ist deutlich interessanter. Hier geht es um einen Vergleich der Performance von ETF und Basiswert über verschiedene Zeiträume.

Tracking Error und Tracking Difference

Die Abbildung unten zeigt, dass der ETF den DAX nicht exakt 1:1 nachbildet. So liegt die Wertentwicklung des ETFs über alle betrachteten Zeiträume hinweg unter jener der Benchmark. Dies kann schon auf den ersten Blick nicht überraschen, fallen bei einem ETF doch Gebühren an.

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Der Wertentwicklungsunterschied - auch als Tracking Difference bezeichnet – summiert sich im Beispiel unten bei einem fünf Jahre langen Betrachtungszeitraum auf 3,81 %.

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Quelle: Lyxoretf.de

Die Tracking Difference ist im Übrigen nicht mit dem Tracking Error zu verwechseln. Der Tracking Error ist in der Abbildung oben durchweg geringer als der Wertentwicklungsunterschied bzw. die Tracking Difference.

Auch der Tracking Error ist ein Maß für die Qualität bzw. Effizienz der Abbildung der Benchmark durch den ETF. Je geringer der Tracking Error, desto geringer ist die Differenz zwischen der Performance des ETF und der Benchmark. Allerdings bezieht sich der Tracking Error auf Differenzen in der täglichen Wertentwicklung. Die Maßzahl gibt diese Differenzen der täglichen Wertentwicklung als auf das Jahr hochgerechnete Standardabweichung an. Auch bei niedrigem Tracking Error kann die Tracking Difference über längerer Zeiträume mehrere Prozentpunkte erreichen.

Gesamtkostenquote (TER)

Zur ETF Übersicht gehört auch eine Angabe zur Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER). Diese beträgt in der Abbildung 0,15 %. Die Kosten sind für alle Anleger relevant, die langfristig in ETFs investieren. Die besten ETFs weisen geringere Gesamtkosten auf.

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Quelle: Lyxoretf.de

Die TER wird als Gesamtkostenquote bezeichnet. Tatsächlich enthält diese Kennzahl allerdings nicht alle Kosten eines börsengehandelten Indexfonds. Enthalten sind die laufenden jährlichen Kosten für den Besitzer des ETFs. Dazu zählen zum Beispiel Verwaltungsgebühren inklusive Ausgaben für Portfoliomanagement und Wirtschaftsprüfung. Auch Gebühren für Depotbanken, Ausgaben für Lizenzen der Indexprovider und Kosten des ETFs für Marketing und Vertrieb zählen zur TER.

Es gibt allerdings auch einige Kosten, die nicht in der Total Expense Ratio enthalten sind. Dazu gehören Swapgebühren, Transaktionskosten (zum Beispiel Brokerentgelte) und Erträge aus dem Verleih von Wertpapieren.

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Total Cost of Ownership (TCO)

Die Maßzahl TCO (Total Cost of Ownership) lässt sich in der Regel leider nicht im ETF Factsheet finden. Grund dafür ist der Verzicht der Regulierungsbehörden auf eine Verpflichtung zur Angabe dieser Kennzahl. In der TCO sind auch Transaktionskosten, Swapgebühren etc. enthalten.

Spread und Ordergebühren nicht vergessen!

Wichtig: Die Kosten innerhalb der Kennzahlen TER und TCO beziehen sich auf die Kosten im ETF. Erwirbt ein Anleger einen Anteilsschein über einen Broker, fallen dafür häufig zusätzliche Ordergebühren an. Diese sind ebenso nicht in den Kostenquoten enthalten wie Spreads.

Ungeachtet dieser zusätzlichen Kosten und einzelner Schwächen der TER gilt: ETFs sind eine sehr günstige Investmentlösung. Allerdings sollten Anleger nicht zwingend davon ausgehen, dass ein ETF mit einer niedrigeren TER auch zwingend die bessere Gesamtperformance abliefert. Dies ist häufig, aber nicht zwingend der Fall.

Weitere wichtige Merkmale von ETFs

Es gibt einige weitere wichtige Kennzahlen und Merkmale für die Beurteilung von ETFs. Wichtig sind unter anderem:

  • Die Replikationsmethode
  • Die Gewinnverwendung/der Ausschüttungsmodus
  • Die Größe des Fonds
  • Die Diversifikation (des Basiswertes)

Replikationsmethode

ETFs können ihre Basis auf unterschiedlichen Wegen nachbilden. Bei einer direkten physischen Replikation erwirbt der ETF Aktien in dem Verhältnis, das auch dem Verhältnis der Benchmark entspricht. Ein DAX ETF kauft also die 30 DAX Aktien mit dem jeweiligen Gewicht am deutschen Aktienindex.

Bei Basiswerten mit sehr vielen Konstituenten ist eine direkte physische Replikation meist mit hohen Traktionskosten verbunden. Dies gilt etwa für den MSCI World, der ca. 1500 Aktien enthält. Aus diesem Grund entscheiden sich viele ETFs hier für eine Replikation mittels Sampling. Das bedeutet, dass nur ein Teil der im Index enthaltenen Aktien tatsächlich gekauft wird. Vor allem Aktien mit einem sehr geringen Gewicht befinden sich nicht physisch im Portfolio. Dadurch können solche Index ETF ihre Basis günstiger nachbilden. Für Anleger besteht damit prinzipiell das Risiko einer größeren Differenz in der Wertentwicklung. Dieses Risiko materialisiert sich allerdings selten.

Gewinnverwendung

Einen Blick wert ist stets die Gewinn- bzw. Ertragsverwendung. Auch diese ist der ETF Übersicht zu entnehmen. Was passiert mit dem ETF Gewinn, der zum Beispiel durch zufließende Dividenden und Zinsen anfällt? Manche ETFs schütten diese Gewinne in regelmäßigen Abständen an die Anteilseigner aus. Andere ETFs thesaurieren die Gewinne.

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Asset Unter Management

Die besten ETF Face sind nicht zwingend jene mit dem größten verwalteten Anlagevermögen (Asset Under Management). Gute ETFs weisen jedoch zumeist eine gewisse Mindestgröße auf. Ein Grund dafür: Bestimmte Kosten fallen unabhängig von der Fondsgröße an und schlagen damit bei geringer Größe stärker zu Buche. Als Faustregel gilt, dass das verwaltete Vermögen 100 Millionen EUR nicht unterschreiten sollte. Etwas anderes kann gelten, wenn ein ETF zu einem größeren Umbrella Fonds gehört und hierdurch Kostenvorteile realisiert.

Diversifikation

Mit einem Index ETF können Anleger zahllose Basiswerte abbilden. Doch längst nicht jeder Basiswert ist in sich breit diversifiziert. Wer nur wenige und in sich kaum diversifizierte Basiswerte abbildet, verlässt sich am Ende auf ein unzureichend diversifiziertes Portfolio. Ein Blick auf die Zusammensetzung und Diversifikation der Benchmark ist deshalb dringend empfehlenswert. Die Abbildung unten zeigt Informationen aus der ETF Übersicht für den DAX bzw. einen ETF darauf:

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Quelle: Lyxoretf.de