Rollkosten im CFD Handel

Im CFD Handel können Rollkosten eine Rolle spielen. Diese entstehen bei einem Rollover von einem auslaufenden Terminkontrakt in den Folgekontrakt. Wir erklären, wie Rollkosten entstehen und welche speziellen Risiken damit verbunden sind – und warum es sogar Rollgewinne gibt.

Was sind Rollkosten?

Die meisten Differenzkontrakte (CFDs) sind durch die Broker als Endloskontrakte konzipiert. Das bedeutet, dass es keinen Verfallstermin für den CFD gibt. Anleger können für prinzipiell unbegrenzte Zeiträume in Öl, Gold, Aktienindices etc. investieren.

Viele CFDs basieren jedoch auf Futures. Dies ist aus Sicht der Broker nachvollziehbar. Die Broker treten als Kontrahent ihrer Kunden auf, begeben sich jedoch nicht selbst eine wirtschaftliche Position. Die Positionen der Kunden werden am Terminmarkt nachgebildet – in dem der Broker Positionen in Futures eröffnet. Dies ist besonders bei Rohstoffen, aber auch bei Finanzwerten wie Aktienindices der Fall.

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Futures sind mit einem Verfallstermin ausgestattet. Läuft nun ein Future an der Terminbörse aus, müsste der Broker auch den Differenzkontrakt mit seinen Kunden auslaufen lassen. Die Alternative: Der Broker schichtet die Position des Kunden in den nächstfälligen Future um und verlängert so die Laufzeit.

Dieser Prozess wird auch als Rollvorgang oder Rollover bezeichnet. Dabei können Kosten entstehen. Der Grund: Der Preis des neuen Futures muss nicht dem Preis des alten Futures entsprechen. In der Praxis ist dies fast nie der Fall, weil der Markt für verschiedene Fälligkeitstermine unterschiedliche Preise aufruft.

Die Abbildung unten zeigt den Chart des WTI Futures mit Fälligkeit im Juni 2021.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 1

Quelle: cmegroup.com

Einstandspreis im neuen Future höher als im alten Future

Der Broker stellt also zunächst die Position im alten Future glatt. Der Glattstellungskurs liegt jedoch unter dem Einstandskurs für den nächstfolgenden Future. Der Erlös reicht somit nicht aus, um die Position in vollem Umfang in den nächsten Future zu rollen.

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Die Abbildung unten zeigt den Gold Future an der CME Globex mit verschiedenen Fälligkeitsterminen. Je weiter der Preis in die Zukunft reicht, desto höher der Kurs. Der Wechsel in einen länger laufen Kontrakt ist somit nur unter Inkaufnahme von Rollkosten möglich.

Ein Beispiel: Ein CFD Broker stellt den Juni 2021 Future zum Preis von 1864,2 USD pro Feinunze (darauf bezieht sich die Notierung) glatt. Im selben Atemzug eröffnet er eine Position im Juli 2021 Future zum Preis von 1864,5 USD pro Feinunze. Der Verlust pro Feinunze: 0,3 USD.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 2

Quelle: cmegroup.com

Wie erscheinen Rollkosten auf dem Konto?

Der CFD Broker müsste von seinen Kunden somit eine Nachzahlung in Höhe von 0,3 USD pro Feinunze verlangen, um die CFD Position im selben Umfang aufrechtzuerhalten. Die meisten Broker stellen jedoch keine explizite Nachforderung für den Rollover in Rechnung. Stattdessen wird die Positionsgröße des CFD angepasst. Wer vor dem Rollover eine Position im Umfang von 1,0 Feinunzen gehalten hat, hält nach dem Rollover eine minimal geringere Position.

Die Anpassung der Positionsgröße ist im Übrigen nicht nur bei CFDs, sondern auch bei anderen Finanzprodukten das Mittel der Wahl. Dies gilt etwa für Exchange Traded Commodities (ETCs) auf Rohstoffe wie Gold oder Rohöl, sofern bei der Nachbildung Terminkontrakte direkt oder indirekt zum Einsatz kommen. Auch hier kommt es regelmäßig zum Rollover durch den Emittenten. Dieser passt das Bezugsverhältnis des Wertpapiers im Zuge des Rollvorgangs an.

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Die Änderung des Bezugsverhältnisses allein ändert zunächst nichts am Nominalwert der Position. Die Position ist dann gemessen an der Stückzahl geringer, gemessen am Wert aber identisch – da der neue Future höher notiert. Allerdings ist im Gesamtwert nun ein reiner Terminaufschlag enthalten, der im Zeitverlauf absehbar abschmilzt. Verändert sich der (Kassa-)Markt gar nicht, verliert die Position durch die Rollkosten täglich an Wert.

Auch Rollgewinne sind möglich

Ein Rollvorgang verursacht allerdings nicht zwingend Kosten. Sogar hohe Gewinne sind möglich. Dazu kam es in der Vergangenheit bereits mehrfach – insbesondere am Rohstoffmarkt. Rollgewinne entstehen durch eine besondere Struktur der Terminpreiskurve. Diese wird auch als Backwardation bezeichnet – im Gegensatz zum Normalzustand Contango. Werfen wir einen Blick auf Contango und Backwardation.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 3

Quelle: Handelszeitung.ch

Contango und Backwardation und die Rollkosten

Contango ist der Normalzustand an Warenterminmärkten. Das Prinzip: Je weiter die Fälligkeit eines Futures in der Zukunft liegt, desto höher der Preis. Anders gesagt: Je näher die Fälligkeit, desto niedriger der Preis.

Dies hat Gründe – und zwar unabhängig davon, ob sich ein Future auf Rohstoffe oder Finanzwerte bezieht.

Um das Prinzip hinter einer steigenden Terminpreiskurve zu verstehen, lohnt ein Blick in die Realwirtschaft. Ein Marktakteur benötigt im Dezember eine bestimmte Menge Rohöl. Diese könnte er bereits im Juni kaufen und anschließend bis Dezember einlagern. Er könnte aber auch Öl über den Dezemberkontrakt kaufen und die Lieferung genau zum passenden Zeitpunkt erhalten.

Welche Variante ist besser? Lässt sich der Akteur das Öl bereits im Juni liefern, muss er es für sechs Monate einlagern und versichern. Dafür fallen erhebliche Kosten an. Diese Kosten kann der Akteur umgehen, indem er sich das Öl erst im Dezember liefern lässt.

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So wie dieser Akteur werden alle Akteure handeln, die Öl im Dezember benötigen – und deshalb auf den Dezemberkontrakt ausweichen. Deshalb ist es in einer normalen Marktlage nicht verwunderlich, dass die Terminpreiskurve nach oben zeigt.

Dasselbe Prinzip gilt im Übrigen auch für Terminkontrakte auf Finanzwerte wie Aktienindices. Ein Anleger könnte heute den S&P 500 am Kassamarkt kaufen und sofort bezahlen. Alternativ kann er einen in der Zukunft fälligen Future kaufen und damit seinen Einstandskurs fixieren.

Kauft er den Future, muss er den Kaufpreis erst in der Zukunft entrichten. In der Zwischenzeit besteht die Möglichkeit, die Liquidität risikolos zu Marktzinssatz anzulegen. Diese Arbitragemöglichkeit ist natürlich allen Marktteilnehmern bekannt, weshalb grundsätzlich auch Financial Futures eine steigende Terminpreiskurve aufweisen. Der Aufschlag reduziert sich umso mehr, je näher der Fälligkeitstermin rückt. Am Fälligkeitstag eines Futures entspricht dessen Preis dem Kassapreis. Aktuell sind die Aufschläge für Finanzfutures aufgrund der weltweiten Niedrigzinspolitik allerdings sehr gering.

Die Abbildung unten zeigt eine typische Contango Situation: Mit weiter in der Zukunft liegender Fälligkeit steigt der Preis an.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 4

Quelle: cmegroup.com

Im Hinblick auf langfristige Investments vor allem im Rohstoffbereich ist es wichtig zu verstehen, dass der Mechanismus sich laufend wiederholt. Am Tag des Rollvorgangs bezahlen Marktteilnehmer für den länger laufenden Kontrakt einen Aufschlag im Vergleich zum Kassakurs. Dieser Aufschlag schmilzt zur Fälligkeit hin dann sukzessive ab. Investments in Contango Märkte sind deshalb stets mit Rollkosten verbunden.

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Backwardation

Das Gegenstück zu Contango wird auch als Backwardation bezeichnet. Hier fällt der Preis der Terminkurve. Das bedeutet, dass weiter in der Zukunft fällige Kontrakte billiger sind als die demnächst auslaufenden Futures.

Backwardation spielt ebenfalls  vor allem am Rohstoffmarkt eine Rolle. Ein aktuelles Beispiel dafür ist in der Abbildung unten zu sehen. Diese zeigt die Kurse verschiedener Terminkontrakte für den WTI Future an der Chicago Mercantile Exchange (CME). Für den Zeitraum von Juli 2021 bis Juni 2022 lässt sich eine strikt fallende Kurve feststellen.

Wie kommt es zu einer solchen Situation? Die Marktteilnehmer sind offenbar an einer schnellen Lieferung interessiert. Dies ist ein Hinweis darauf, dass eine kurzfristige Verknappung befürchtet wird bzw. bereits eingetreten ist.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 5

Quelle: cmegroup.com

In einer Backwardation Situation können anstelle von Rollkosten Rollgewinne anfallen. Schließlich wird der nächstfällige Kontrakt für den umschichtenden Broker günstiger. Der Verkaufserlös aus dem einen Kontrakt kann den Einstandskurs des neuen Kontraktes übersteigen. Analog zu einer Verringerung der Positionsgrößen bei Rollvorgänge in einem Contango Markt sollte die Positionsgröße in einem Backwardation Markt dann anwachsen.

Die Abbildung unten zeigt beispielhaft den Verlauf der Terminkurve in einer Backwardation Situation.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 6

Quelle: cmegroup.com 

Die Anomalie bei WTI US Öl im Frühling 2020

Rollkosten können im Extremfall beträchtlich ausfallen. Dies zeigt ein Blick auf die Entwicklung bei WTI US Öl im Frühjahr 2020. Zu diesem Zeitpunkt war das ökonomische Geschehen stark von der Pandemie geprägt.

Auf dem US Rohölmarkt kam es zu einer Anomalie. Der Kurs für WTI geriet stark unter Druck, weil ein Überangebot an verfügbarem Öl nicht nur keine Abnehmer, sondern zunehmend auch keine Möglichkeit zur Zwischenlagerung mehr fand. Der im Frühjahr fällige Future gab deshalb immer weiter nach  - und rutschte sogar in den negativen Bereich. Ein negativer Ölpreis bedeutet: Wer die Ware abnimmt, erhält noch Geld dazu.

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Die Futures mit späteren Fälligkeitsterminen waren davon nicht betroffen – hier waren sich die Marktteilnehmer sicher, bis zur Fälligkeit wieder einem „normalen“ Markt gegenüberzustehen.

Die Abbildung unten zeigt den Verlauf eines CFD Kontrakts auf WTI. Der CFD Broker hatte den Kurs seines Kontraktes zumindest laut Tageschart nicht in den negativen Bereich fallen lassen.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 7

 Quelle: nextmarkets.com

Nachteil gegenüber frei gewählter Fälligkeit

Das Beispiel am Markt für US Rohöl zeigt, dass Futures gegenüber CFDs in bestimmten Situationen Vorteile bieten können. Wer Futures handelt, kann zwischen verschiedenen Kontrakten mit unterschiedlicher Fälligkeit wählen. Deuten sich am kurzfristigen Markt Anomalien an, können Trader auf längerfristige Kontrakte ausweichen und so die Verzerrungen umgehen.

Bei CFDs ist dies in der Regel nicht möglich. Der Grund: Die meisten CFD Broker bieten ausschließlich Kontrakte auf den nächstfälligen Future an. Ausnahmen bestätigen die Regel, sind jedoch selten. Vor dem Hintergrund der Ereignisse am Ölmarkt im Frühjahr 2020 wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, dass mehr Broker Differenzkontrakte auf Futures mit unterschiedlichen Fälligkeiten anbieten.

Können CFD Broker Rollkosten minimieren?

CFD Broker (und ebenso Emittenten von Wertpapieren mit Terminmarktbezug) können die Rollkosten prinzipiell minimieren. Dazu wird nicht ausschließlich in den nächstfälligen Kontrakt, sondern in mehrere Futures mit unterschiedlichen Fälligkeitsterminen investiert. Diese Methode kommt jedoch rasch an ihre Grenzen. Ein zu großer Anteil in weit entfernten Kontrakten birgt das Risiko, dass sich der Kurs des CFDs bzw. des Wertpapiers unangemessen weit vom Spotpreis entfernt. Die meisten Trader und Anleger möchten jedoch gerade diesen Spotpreis handeln. Zudem bieten Futures nicht über alle Fälligkeiten hinweg ausreichende Liquidität.

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Problematisch im Hinblick auf Rollkosten ist generell, dass sehr viele Marktteilnehmer zu bestimmten Zeitpunkten in bestimmten Kontrakten aktiv sind – und zwar typischerweise in dieselbe Richtung. Mittlerweile gibt es im Asset Management neue Ansätze wie die CMCI Methode. Auch hier wird in mehrere Futures investiert. Gleichzeitig werden die Kontrakte täglich gerollt. Die Methode gibt es bereits seit 2007, hat sich jedoch bei CFD Brokern noch nicht flächendeckend durchgesetzt.

Futures und Währungsrisiken

Trader sollten sich vor allem im Handel mit Rohstoffen bewusst sein, dass im CFD auch ein Wechselkursrisiko enthalten sein kann. Dies der Fall, wenn der Kontrakt auf Futures basiert, die in US-Dollar notiert sind. Das Wechselkursrisiko wird in der Regel nicht anlässlich des Rollvorgangs, sondern erst bei der Schließung der Position realisiert.

Rollover und Finanzierungskosten

Manche Broker bezeichnen die Refinanzierungskosten auch als Rollover Gebühr. Die Gebühr fällt an, wenn Positionen über Nacht gehalten werden. Dies hat jedoch mit Rollkosten in Verbindung mit dem Wechsel von einem Future in den nächsten Terminkontrakt nichts zu tun. Im Devisenhandel handelt es sich vielmehr um die Verlängerung einer Spotposition.

Sehr viele CFD Broker belasten auch bei Future-basierten CFDs Finanzierungskosten. Dies ist aus Sicht der Broker verständlich, aber nicht immer sachgerecht. Schließlich sind Teile der Finanzierungskosten im Terminpreis bereits enthalten. CFD Händler zahlen somit einmal für den Terminaufschlag und ein zweites Mal für die Finanzierungskosten.

Möglichkeiten, Rollkosten zu umgehen

CFD Trader müssen Rollvorgänge- und Kosten nicht zwangsläufig in Kauf nehmen. Die Rollover Termine bei einem CFD Broker sind nicht willkürlich gewählt. Die Termine lassen sich vielmehr den Marktformationstabellen entnehmen.

Die Abbildung unten zeigt die Rollover Tabelle eines Brokers für verschiedene Basiswerte, darunter Rohstoffe. Gut zu sehen ist, dass die Anzahl der Rollover Termine nicht bei allen Basiswerten gleich ist. Bei WTI Öl etwa erfolgt (ebenso wie bei Brent Öl) ein monatlicher Rollvorgang. Die Anzahl der Rollvorgänge hängt von dem zugrunde liegenden Future ab.

Rollkosten im CFD Handel screenshot 8

Quelle: XTB.com

Es lohnt sich, einen Blick ins Kleingedruckte der Rollover Termine zu werfen. Häufig gilt, dass am Folgetag des Termins um 0:00 Uhr der eigentliche Rollvorgang stattfindet. Ist in der Rollover Tabelle etwa der 16. März als Termin angegeben, erfolgt der Rollover am 17. März um 0:00 Uhr.

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Die meisten Broker informieren Kunden mit offenen Positionen in Märkten vor einem Rollover automatisch via E-Mail. Wer den Rollvorgang umgehen möchte, schließt die Position zunächst und eröffnet sie nach der Neuaufnahme des Handels im neuen Future abermals. Dabei fallen naturgemäß Kosten durch Spreads und/oder Kommissionen an. Auch das spätere Angleichen zwischen Termin- und Kassakurs lässt sich so nicht umgehen.

In unberechenbaren Märkten mit Anomalien der Terminpreiskurve kann sich ein Umschiffen des Rollovers dennoch bezahlt machen. Der Ausstieg sollte dann allerdings mindestens einige Tage vor der Fälligkeit des aktuellen Futures erfolgen.