Trading in der Praxis: Umgehen mit Bullen- und Bärenfallen

Kein ehrlicher Trader würde von sich behaupten, noch nie in eine Bullenfalle oder eine Bärenfalle getappt zu sein. Es ist schlicht nicht möglich, dies ganz zu vermeiden. Durch geeignete Vorgehensweisen lassen sich die Schäden aus solchen Ereignissen jedoch minimieren.

Die Bullenfalle am Fallbeispiel

Was ist eine Bullenfalle? Eine Bullenfalle liegt vor, wenn der Markt ein (zumeist charttechnisches) Kaufsignal generiert, anschließend jedoch nicht steigt, sondern fällt.

Bullenfallen können in verschiedenen Situationen auftauchen. Ein weit verbreitetes Beispiel ist ein Doppeltop. Der Markt läuft von unten auf das Niveau des Doppelhochs zu. Ein Überschreiten dieses signifikanten Widerstands würde ein Kaufsignal generieren. Nun überschreitet der Markt das Widerstandsniveau tatsächlich um einige Punkte – um dann wieder zurückzufallen.

Viele Trader werden in diese Falle tappen und bei Überschreiten des Widerstands eine Longposition eröffnen bzw. knapp oberhalb des Widerstands eine Stop Buy Order platzieren.

Bullenfallen sind jedoch nicht auf einfache Widerstände begrenzt. Auch im Kontext von Dreiecken, Keilen, Schulter-Kopf-Schulter-Formationen etc. können solche Konstellationen auftreten.

Die Abbildung unten zeigt einen Markt, der intraday ein neues Hoch markiert und das vorangegangene Hoch als Widerstand überschritten hat. Noch am selben Tag kam es jedoch zu einer starken Rückkehrbewegung.

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Quelle: Tradesignalonline.com

Die Bärenfalle am Fallbeispiel

Die Bärenfalle ist das Spiegelbild zur Bullenfalle. Hier markiert der Markt ein Verkaufssignal, um daraufhin wieder einzusteigen.

Ein klassisches Beispiel für die Bärenfalle ist ein Doppelboden. Läuft der Markt von oben auf den Doppelboden zu, markiert dieser ein signifikantes Unterstützungsniveau. Ein Unterschreiten der Unterstützung wurde weiteres Abwärtspotenzial aufzeigen. Nun überschreitet der Markt den Doppelboden tatsächlich um einige Punkte, um dann zu drehen und wieder anzusteigen. Analog zur Bullenfalle werden hier viele Trader kalt erwischt, die beim Unterschreiten der Unterstützung eine Shortposition eröffnen.

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Bärenfallen gibt es bei Fortsetzungs- und Umkehrformation ebenso wie in Verbindung mit Trendlinien. Die Abbildung unten zeigt einen Markt, der seine Aufwärtstrendlinie nach unten durchbricht und damit zugleich eine Dreiecksformation bearish verlässt. Auch wenn der Markt nach dem Unterschreiten der Aufwärtstrendlinie tatsächlich zunächst abwärts notiert, entpuppt sich die Entwicklung im Nachhinein doch als Fehlausbruch. Es kommt zu einem deutlichen Wiederanstieg der Kurse.

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Quelle: Tradesignalonline.com

Entry Orders richtig setzen und Trefferquote erhöhen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, Bullenfallen und Bärenfallen zu umgehen und die daraus resultierenden Verluste zu minimieren.

Im ersten Schritt geht es darum, möglichst selten in eine Bullen- oder Bärenfalle zu tappen. Welche Maßnahmen können dabei helfen? Sehr wichtig sind sinnvoll platzierte Entry Orders.

Bullenfallen und Bärenfallen sind häufig im Zusammenhang mit Ausbruchstrategien relevant. Trader beobachten bestimmte Kursniveaus und sehen in deren Über- oder Unterschreiten ein Handelssignal. Bei dieser Strategie wird häufig mit Stop Entry Orders gearbeitet.

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Das Prinzip: Knapp oberhalb eines signifikanten Widerstands wird eine Stop Buy Order platziert. Überschreitet der Markt den Widerstand, wird diese automatisch ausgelöst. Gegen diese Vorgehensweise spricht nichts.

Allerdings ist damit zu rechnen, dass ein Teil dieser Orders durch Bullen- und Bärenfallen in einem Verlust enden wird. Anleger können die Verluste wurde möglicherweise verringern, indem die Stop Order ein Stück weiter weg vom Unterstützungs- bzw. Widerstandsniveau platziert wird.

Die Abbildung unten zeigt die Platzierung einer Stop Buy Order anhand der gelben Linie. In diesem Beispiel wird die Order auf dem Niveau des letzten Hochs platziert. Es kann sich lohnen, die Stop Order ein Stück weit höher zu platzieren und dadurch Fehlausbrüche zu verringern. Dies gilt insbesondere, wenn das charttechnische Kursziel nach einem Ausbruch ausreichend Raum für Kursbewegungen lässt.

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Quelle: Plus500.com

Fehlausbrüche frühzeitig erkennen und aussteigen

Erfahrene Trader wissen: Fehlausbrüche sind keine Ausnahme, sondern die Regel. Es wird deshalb keinem Trader dauerhaft gelingen, jede Bärenfalle oder Bullenfalle zu umgehen. Umso wichtiger ist es, die daraus resultierenden Verluste zu minimieren.

Die einfachste Vorgehensweise dabei ist ein Stop Loss. Dieses sollte so platziert werden, dass ein Rückfall des Marktes unter ein signifikantes Widerstandsniveau zur Glattstellung der Order führt.

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Dazu ein Fallbeispiel. Die XYZ Aktie notiert bei 98 EUR. Bei 100 EUR befindet sich ein signifikanter Widerstand. Ein Trader platziert deshalb eine Order bei 101 EUR, um nicht zu nahe über dem Widerstand einzusteigen und das Risiko einer Bullenfalle zu verringern.

Die Aktie steigt nun auf 101,50 EUR, die Stop Buy Order wird ausgelöst. Direkt danach beginnt der Markt jedoch zu fallen – auf bis zu 90 EUR. Der Verlust pro Aktie: 11,50 EUR.

Hier muss gelten: Wer aufgrund eines charttechnischen Ausbruchs eine Position eröffnet, sollte diese umgehend schließen, wenn sich der Ausbruch als Fehlausbruch erweist. Dies ist im Fall der XYZ Aktie der Fall, wenn der Markt unter die Marke von 100 EUR fällt. Spätestens bei 99,99 EUR sollte deshalb ein Stop Loss platziert werden.

Das Volumen als zusätzlicher Filter

Als zusätzlicher Filter zur Identifikation von Fehlausbrüchen kann das Volumen herangezogen werden. Die technische Analyse geht davon aus, dass das Volumen im Grundsatz den Trend bestätigen sollte.

Was bedeutet dies konkret? Läuft der Markt auf einen signifikanten Widerstand zu, ist ein abnehmendes Volumen durchaus plausibel. Spätestens bei Überschreiten des Widerstands sollte das Volumen jedoch deutlich zunehmen. Ist dies nicht der Fall, liegt empirisch betrachtet ein Alarmsignal für einen möglichen Fehlausbruch vor.

Dasselbe gilt bei signifikanten Trendlinien. Unterschreitet der Markt eine signifikante Aufwärtstrendlinie, sollte dies mit steigendem Volumen einhergehen. Findet die Unterschreitung der Trendlinie jedoch bei sehr geringem Volumen statt, ist ein Fehlausbruch mit einer anschließenden Rückkehr des Marktes über die Trendlinie empirisch betrachtet wahrscheinlich.

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Die Handelsspanne als zusätzlicher Filter

Auch die Handelsspanne an Ausbruchstagen kann helfen, eine Bullen- oder Bärenfalle zu vermeiden. Ein Ausbruch findet idealerweise mit einer vergrößerten Handelsspanne statt. Diese ist ein Indiz dafür, dass der Markt im Anschluss an den Ausbruch an Dynamik hinzugewonnen hat. Erfolgt ein Ausbruch (zum Beispiel ein Widerstand) wie im Lehrbuch, bildet der Markt am Tag des Ausbruchs eine lange, weiße Kerze ohne Docht. Der Markt schließt deutlich über dem Widerstandsniveau und zugleich auf Tageshoch

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Expansion Breakout Strategie von Jeff Cooper. Dieser fokussierte zwar Zweimonatshochs anstelle von charttechnischen Ausbruchspunkten. Entscheidend für Cooper war jedoch, dass die Handelsspanne am Tag des Hochs größer als die größte Handelsspanne der zurückliegenden neun Handelstage sein musste.